Bauernmärkte:
Immer mehr falsche Bauern



Würden Sie unechte Landwirte sofort erkennen?

Es ist gut möglich, dass mindestens ein solcher auf dem lokalen Bauernmarkt steht. Und wenn man nicht aufpasst, zahlt man vielleicht erntefrische Hof-Preise für Billigstqualität aus Großhandels- oder Importware. Unwahrscheinlich? Urtei­len Sie selbst!

Einige dieser Profit- „Bauern“ haben von Landwirtschaft vielleicht weniger Ahnung als Sie! Auf mehreren Märkten habe ich in jüngster Vergangenheit festgestellt, dass sich windige Marktfahrer, Großhändler oder Gewerbetreibende den An­schein von Landwirten oder landwirtschaftlicher Eigenproduktion geben. Und die Betreiber dieser Märkte kontrollieren oft nicht wirklich, wer dort verkauft.

Damit ich nicht missverstanden werde: ich halte es keinesfalls für schlecht, wenn Bauern Kooperationen eingehen und gegenseitig die Produkte des jeweils anderen verkaufen („handeln“ sozusagen), oder wenn Bauern zur Ergänzung ihres eigenen Angebotes auch gewerblich Hergestelltes, etwa aus der Region anbieten und die Herkunft deklarieren – im Ge­genteil, das halte ich für eine ausgezeichnete Idee. Aber wenn jemand liegengebliebene Überschussware billigst aufkauft und dann am nächsten Bauernmarkt so tut, als wenn er selbst der Produzent oder Landwirt wäre, dann ist das in meinen Augen echter Schwindel. Oder vielleicht schon Betrug.

Und das nicht nur bei uns. Aus den USA kommt die Nachricht, dass ein Fernsehteam die Spur von Gemüse verfolgt hat, das auf dem lokalen Bauernmarkt verkauft wurde. Uns siehe da: Sie fanden, einiges davon stammte aus Supermärkten oder von Schiffscontainern und nicht von idyllischen grünen Beeten vom Bio-Bauern nebenan mit Vogelscheuchen, Kom­posthaufen und Gießkannen. Dieses Fernsehteam kaufte z.B. angeblich frische Brokkoli von so einem „Bauern“, besuchte dann überraschend seinen „Hof“ gemeinsam mit einem Agrarfachmann und fragte danach, wo denn hier das Gemüse ge­wachsen sei. Aber sie fanden nichts, nur einige dreckige Flächen, auf denen niemals etwas wachsen könnte.

In einem anderen Fall waren drei von fünf auf Bauernmärkten gekaufte „pestizidfrei“ produzierte Erdbeeren massiv mit mehreren Pestiziden verseucht (Ich erinnere mich an einen ähnlichen Fall aus Österreich wo die Erdbeeren aus Spanien stammten und ebenfalls mit Chemikalien stark kontaminiert waren), oder in einem anderen Fall, als ein Bauernmarktver­käufer dabei ertappt wurde, als er seine angeblich selbstgezogenen Früchte im Gemüsegroßhandel kaufte.

Ich kann nur hoffen, dass dies Einzelfälle sind. Aber ich fürchte nein. Dabei sind das leider nicht die einzigen Schwinde­leien, halten wir also die Augen offen und passen wir auf!

Auch Supermärkte und Diskonter versuchen bei diesem Geschäft mitzunaschen, indem sie eigene „Bauern“märkte auf ih­ren Parkplätzen oder entsprechende Regale und Standeln aufbauen. Und natürlich klingende, phantasievolle Markenna­men schöpfen. Auch das ist nichts Schlechtes, wenn dabei echte Bauernwaren aus dem eigenen Ort und der näheren Regi­on angeboten werden. Ist das immer der Fall? Prüfen Sie selbst! Manchmal wird halt einfach nur ein Zelt am Parkplatz aufgebaut, und darinnen die gleiche Großhandelsware angeboten wie im Geschäft. Und auch wenn das Bedienungsperso­nal dort ländliche Arbeitskleidung tragen sollte, muss es sich deshalb nicht um regionale Gemüse, Lagererdäpfel oder Fleischwaren handeln. Auch mit Salzwasser vollgespritzter, fast fettfreier Industrie-“Speck“ ist schon so verkauft wor­den...

Trotzdem, nach all diesen Warnungen, lassen wir uns bitte die Freunde am Bauernmarkt nicht verderben! Keine Angst. Klar, Hof-frisches Gemüse, Weide-frisches Rindfleisch, Speck aus der hofeigenen Selchkammer, unbehandelte Kuhmilch und und und, kann durch nichts ersetzt werden, das sind die ultimativen, gsunden Lebens- mittel. Also hin zum Bauern­markt, hin zum persönlich bekannten Bauern! Sind wir alle nur ein wenig wachsam, kaufen wir bei Leuten, die wir ken­nen und denen wir vertrauen, die man z.B. auch besuchen könnte, die ihre Adresse und ihren guten Namen angeben. Dann kann nichts schief gehen.

Und fragen wir die richtigen Fragen. Beim Fleisch z.b. Fragen Sie, wo die Weide liegt, wer geschlachtet hat, und wo? Und wer die Wurst gemacht hat, aus welchem Fleisch. Natürlich kann nicht jeder alles selber machen. Ist auch nicht nö­tig. Aber ein echter bäuerlicher Direkt- und Selbstvermarkter wird alle diese Fragen ohne stottern und ohne zögern klar und einfach beantworten können. Wenn nicht, gehen wir weiter zum nächsten...

Und wenn wer Sachen außerhalb der typische Saison verkauft – oder Produkte, die einfach hier nicht wachsen, wie Dat­teln im Mühlviertel, na dann ist die Sache wohl klar, auch Erdbeeren im April sind sicher nicht aus dem österreichischen Freiland, und Spargel im Herbst auch nicht, oder heurige Erdäpfel im Mai...

(Obwohl – meine Frau macht wirklich Orangenmarmelade im Salzkammergut. Aus der Sorte „Kleine Florida Saftorange“, die wir in Kübeln auf unserer Terrassee am Attersee ziehen, aber nur in Kleinmengen und sooo guuut, das wir sie fast alle selber essen...)

Auf vollen Genuss mit echten Lebensmitteln von echten Bauern!

Ihr Georg Roth

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