Handelsblüten und Rabatte

Oder wie man Würsteln werblich aufpeppt

Also, um es gleich klarzustellen, Spar ist eine gute Handelsfirma, und ich gehe gerne dort einkaufen. Gelegentlich. Und besonders um köstliche regionale Spezialitäten dort zu kaufen. Da gibt’s schon auch gute Sachen, Weine zum Beispiel: Ein herrliches, vielfältiges Angebot in manchen Geschäften. Mmmhhh.

Obwohl - Gerade flattert mir ein Werbeblattl 1 auf den Tisch. „-25% auf das gesamte Frischfleischsortiment in Bedienung. Nur gültig am Fr. 15.10 und Sa. 16.10...“ lautet da die fette Schlagzeile. Und auch im Innern des Prospektes lauern weitere saftige Spargelegenheiten. So meint man. So liest man. Doch wenn man genauer hinschaut? Eine tolle Werbeanpreisung sticht sofort ins Auge. Bei >Landhof „Weil ich will“ Frankfurter gluten- und laktosefrei< um wohlfeile € 13,29 fürs Kilo gibt man jetzt um 0,3 teure Euro weniger aus, steht dort.

Was???  Was steht dort?

Mal rechnen: Unsere Frankfurter aus dem vielleicht hochwertigsten Fleisch, das man sich denken kann, ganzjährig geweideten Hochland- Jungrindern, die nie einen Stall von innen sehen, kosten € 4,90 für eine Packung von 424 g. Ergibt also 11,64 pro Kilo. Sind wir also viel zu billig? Ich glaube nicht. Direktvermarktung von regionalen Bauernprodukten muß nicht teuer sein! Einen guten Preis für gute Ware ja – aber nicht teuer! Und die Qualität stimmt sicher: Fleisch und Wurstwaren der Marke Highlandbeef(R) sind reine Bio-Produkte vom Schottischen Hochlandrind aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft. Sie werden regional produziert und regional verkauft. Unsere Wurstwaren macht etwa der bekannte Fleischermeister Tasch aus Stein, ein wahrer Könner seines Faches. Ein Qualitätsfanatiker wie man es sich wünscht. Er ist der Spezialist, der einzige in weitem Umfeld, der sich der Verarbeitung von hochwertigem Hochlandrind zu Highlandbeef(R)-Spezialitäten gewidmet hat. Und er kann die Nachfrage nach Hochlandrind-Spezialitäten kaum befriedigen.

Also sind wir doch zu billig? Wieder Nein. Nach meiner festen Überzeugung hat die Bio-Produktion dann die beste Chance, eine flächendeckende Wirtschaftsform unseres Landes zu werden, wenn sie sich an üblichen Marktpreisen für erstklassige Ware orientiert, ohne sich auf das Niveau von minderwertigen Industrie- und Massenerzeugnissen herabzulassen. Die Extra-Qualität ist dann gratis.

Aber da steht ja noch was! Gluten- und laktosefrei! Ja mei o mei – das klingt ja nach einem weiteren unschlagbaren Vorteil. Oder? Hat denn je wer gedacht, Frankfurter seien Molkereiprodukte? Seit wann dürfen denn Frankfurter mit Milchpulver erzeugt werden? Haben denn andere Mitbewerber tatsächlich Laktose oder Gluten in ihren Würsten? Natürlich nicht! Natürlich sind alle (!) Frankfurter, die nach den geltenden Bestimmungen 2 gemacht werden, laktosefrei und ohne Gluten. Spielt man da nicht ein kleinwenig mit der Uninformiertheit von Konsumenten? Nein, ich glaube wir Konsumenten sind nicht dumm, manchmal wohl falsch informiert, aber nicht blöd. Wir als Konsumenten bemerken sowas doch, oder? Damit das so bleibt und noch einfacher wird, wollen wir als Produzenten auch Aufklärung betreiben. Über Warenkunde. Über Qualität. Das sei hiemit geschehen. Unsere treuen Kunden haben das sicher nicht nötig. Die wissen ja, was sie mit unserem Hochlandrind und Highlandbeef(R) bekommen. Sonst würden sie nicht bei uns kaufen. Und die anderen können ja noch Kunden werden!

Darauf hofft jedenfalls bei einem Biss saftiger eigener Fankfurter, eigenem Roggenbrot und einem Glas Grünen Veltliner vom Spar,

Ihr ergebener Georg Roth

PS: Zur Ergänzung und der Wahrheit die Ehre: Am gleichen Blatt stehen auch einige Billig-Diskontangebote über TANNDebreziner oder Frankfurter statt Euro 10,90 und 9,50 pro Kilogramm um 6,49 und aktionsrabattierte Minifrankfurter für den „Hunger Zwischendurch“ um € 9,16 pro Kilogramm. Es kann sichs Niveau also jeder selbst aussuchen. Und so solls sein!

PPS: Nach dem österreichischen Codex alimentarius darf in Frankfurtern außer Rind- u./o. Schweinefleisch, sowie Speck und Wasser nur bei den minderen Qualitäten auch Kartoffelstärke enthalten sein.



1 Werbeprospekt der Firmen Spar Eurospar Interspar Zugestellt durch Post.at Gruppe KW 41 (ohne Angabe eines Absenders und ohne weiteres Impressum).

2Österreichisches Lebensmittelbuch IV. Auflage, Codexkapitel B 14 - Fleisch und Wursterzeugnisse, Stand: 8. Jänner 2010